Montag, 17. März 2014

Die Verlage und ihre Ebookverkaufszahlen


Wenn eine Autorin vorbeischaut und uns ihr Ebook zum Vertrieb überlässt - ja, das gibt es! - dann kommen wir ins Gespräch. Ist ja wie auf einem Messestand, nur eben real. Ich sollte vielleicht sagen, dass wir nicht überrannnt werden, aber immerhin, es passiert ...

'Ebooks lohnen sich nicht für mich als Autorin', hat sie gesagt, 'da kann ich sie gleich verschenken!' Darauf fiel mir eine Frage ein, die ich indiskreterweise eingereicht habe: 'Wieviel Ebooks verkaufst du denn!'

Die Antwort war: 'Ich weiß nicht, wie das bei den KollegInnen aussieht, aber bei mir liegen sie deutlich im zweistelligen Bereich ^^' Ich sollte - da ich keine Namen nenne - als Erklärung nachschieben, dass es sich bei der Autorin nicht um eine Indie-Autorin handelt, sondern um eine Verlagsautorin.

Ich vermute also mal, die Zahlen sehen überall gleich aus. Nur um die Ehrlichkeit der Autoren ist es mal so und mal so bestellt. Es bedeutet - und die Autorin hat mir das bestätigt - dass die Verlage im Ebookgeschäft nicht angekommen sind. Zitat: 'Das Problem: Die kennen nur die Vertriebswege über den stationären Handel. Das können sie halbwegs managen. Alles, was übers Netz geht, geht gar nicht.'

Ich war - ehrlich gesagt - geschockt! Und ich hatte am Wochenende - ohne sicheren Netzzugang -  genug Zeit, geschockt zu sein ;-) Trotzdem stellen diese Zahlen meine Auffassung der Situation, wie sie sich bei den Ebooks darstellt, auf den Kopf.

Es ist wohl so, dass Ebooks nur von Indies und von Buchpiraten vertrieben werden. Wer es nicht glaubt, sehe sich dazu die jeweiligen Bestsellerlisten an. Amazon hat die Indies, wir haben die digitalen Verlagstitel.

Mir stellt sich die Frage, was die Verlage machen wollen, wenn der Vor-Ort-Buchhandel verschwindet oder nur noch Spielzeug und Postkarten dort verkauft werden. Ich glaube, ich muss hier keine Namen als Beispiele für offene und verborgene Insolvenz nennen ... Und auch hinter Konzeptionslosigkeit verbirgt sich meist eine Bank, die Gewinnperspektiven sehen will.

Ich habe der Autorin zugesagt, die ihren Titel betreffenden Downloadzahlen der Buchpiraten zu schätzen. Dabei stelle ich fest, dass es ungeheuer schwierig geworden ist, solche Schätzungen vorzunehmen. Selbst ich weiß nicht mehr, wer überall ein kleines Forum und einen Blog  für Ebooks vertreibt.

Also mal geschätzt: Torboox hatte am Ende 50.000 registrierte Nutzer (10.000 davon zahlend). Diese 50.000 gehören insoweit zur Szene, als dass sie (für andere) die wichtigen Anbieter kennen und besuchen.

Aber ist diese Zahl überhaupt von Bedeutung? Ist es nicht so, dass wir in jedem Fall direkt oder mittelbar 90% der digitalen Verlagstitel vertreiben? Und mal angenommen, die hohen Preise haben mit einer vorhandenen Kostenstruktur zu tun. Und mal angenommen, die Verlage finden keinen Weg, digitale Bücher kostendeckend zu verkaufen.

Lässt sich aus diesen Annahmen etwas andere schlussfolgern, als dass die Verlage zusammen mit dem stationären Buchhandel untergehen werden?

Und ist es nicht so, dass wir Buchpiraten damit auf einem Eisberg treiben, der rapide wegschmilzt?

Kommentare:

der Lesser hat gesagt…

das behauptest du lies mal dieses http://de.statista.com/statistik/daten/studie/38689/umfrage/absatz-von-ebooks-in-deutschland/ oder hier einfach alles auswählen
http://selfpublisherbibel.de/amazon-top-1000/

auch mal dieses
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/38689/umfrage/absatz-von-ebooks-in-deutschland/

oder von Media control dieses
eBook-Trend 2013

Mehr als 50 Millionen Downloads, das entspricht einem Zuwachs von 60 % gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der gekauften eBooks liegt bei 63 %, die kostenlos angebotenen eBook-Downloads bei 37 %.

Die media control GmbH & Co.KG wird ab Januar 2014 wöchentlich Trend-Charts für Belletristik und Sachbücher anbieten.
Ulrike Altig, Geschäftsführerin der media control & Co.KG, hat noch einen Blick zurück auf das Jahr 2013: "Das Umsatzwachstum bei eBooks hat sich etwas schwächer entwickelt als die Menge, der Durchschnittspreis der eBooks ist von 8,60 € auf 7,10 € gesunken.

http://www.media-control.de/news/jahrescharts2013.html

liest man das sieht es aber ganz anders aus als deine Meinung ist Ich glaube aber wer Dir noch den anderen zu 100% aber eher noch den anderen als dir :-)

Spiegelbest hat gesagt…

Beide Links beinhalten eine Prognose. Das Problem scheint aber zu sein, dass kein Verlag von Prognosen leben kann. Der erste aktuelle Bestseller ist bei Amazon im Verkaufsranking auf Platz 21 - nämlich der Schätzing. Mediacontrol kann mediacontrolen, wie sie wollen, Platz 21 beweist doch, dass sich Verlagsebooks kaum verkaufen. Nicht einer der Hardcover 1-20 ist bei den Ebook 1-20 zu finden! Und das ist die Regel!

Ich seh da ein Problem auf die Verlage zukommen, wenn der Offline Buchhandel mit den Hardcovern ausfällt. Du nicht?

Anonym hat gesagt…

Die Frage ist doch: Wieviel von den Downloadern verzichten deshalb auf einen Kauf, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Es wird immer Käufe von Totholzbüchern geben, davon bin ich überzeugt.

Also sollte man das anders aufdröseln...Wieviel Downloads haben die einschlägigen Seiten, Blogs und Verteilkreise bei einem Bestseller? Ich schätze 20-50k, wenn "nur" die Hälfte auf einen Kauf eines Holzbuchs verzichtet, dann ist es auf jeden Fall spürbar. Dass von denen auch nur einer noch das ebook kauft, glaub ich eher weniger...ok, ich glaubs gar nicht, ich gebs ja zu.

Das Problem haben auch nicht nur die Verlage, sondern auch und grade die Filialketten, kleine Buchhändler haben noch die Möglichkeit sich zu spezialisieren, das geht bei zentralistischen Unternehmen nicht. Das ist eine sehr spannende Entwicklung, bin gespannt, was da so noch kommt.

Nucknuck hat gesagt…

Wenn das stimmen sollte, ist das wirklich nicht gut für die Verlage.
Aber ich kaufe auch keine Ebooks (aus Gewissensgründen). Dafür erwerbe ich in nicht unwesentlicher Höhe Totholzbücher. Vielleicht machen auch andere das so.
Der stationäre Buchhandel wird nicht wegfallen, er wird nur anders (kleiner, spezialisierter oder als Sortimentsaufwerter im sonstigen Einzelhandel).
@Sumselbär wie läuft es im Comicbereich? Da bist Du ja eine Größe. So wie ich das sehe hat das illegale Angebot das legale in den letzten Jahren angekurbelt.

Nucknuck hat gesagt…

http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2014/03/17/seitengenaue-abrechnung.htm

Besonders lesenswert der Kommentar von Herrn Bonik.

Anonym hat gesagt…

Gewagte These....fangen wir vorne bei den Downloads an, ein halbwegs aktuelles Album bringt es auf vielleicht 1000 Downloads, wobei sowas wie börse und mygully zu vernachlässigen sind, das sind nicht viele, auch wenn man gerne was anderes verbreitet.

Nun muss man diesen Zahlen mal die Auflagen der Comic-Alben gegenüber stellen, die Fortsetzung von "Kenya" (ein echt lang erwarteter Band, bzw. deren zwei) kommt mit eine Auflage von 3000 (dreitausend) daher, manche Gesamtausgaben, zB. von comicplus+, haben eine Erstauflage von 1000 Stück. Von Marketing halten allesamt nicht viel, die Präsenz, also die Sichtbarkeit im Buchhandel ist gleich Null, von daher kann es durchaus sein, dass in diesem Comicbereich eher eine Befruchtung da ist.

Auf der anderen Seite stehen da Mangas und Superhelden-Comics, letzteres hier von Panini vertrieben. Und gerade von denen ist von einer extremen Abusewelle zu berichten seit ein paar Wochen, was die Comic-only-Uploader gerade mal richtig verstört weils für sie eben Neuland ist. Für mich ist das lediglich der erste Schritt in die Richtung, die für jeden Warezbereich gilt, also völlig normal und daily-buiseness.

Zu Deiner These kann ich nur sagen, dass es eben keine empirischen Werte gibt, die meisten Verlage leben von immer weniger werdenden Fans, obwohl es eigentlich ein ziemlich erwachsenes Medium ist, mit tollen Geschichten und Zeichnungen, mit ganz hervorragenden Graphic Novellen, auch mit vielen Serien, die dann den Weg zu Filmen und Serien gefunden haben....und ich meine jetzt nicht die Superhelden-Verfilmungen ala Batman und co.

Aber viele Comicserien in Albenform sind ziemlich teuer, einige wurden und werden nicht zu Ende geführt, das führt natürlich auch dazu, dass einige erst kaufen, wenn alle Bände vorliegen, wer hat schon gerne 5 von 7 Bänden im Regal und bekommt die letzten 2 nicht mehr? Ich halte das ähnlich wie Du, ich kaufe auch eine ganze Menge, bei mir hat das auch im Comicbereich gewirkt....ich habe Serien und Alben kennen gelernt, die ich vorher nie auf dem Schirm hatte und einige davon habe ich inzwischen auch real gekauft, da bin ich auch ganz bestimmt kein Einzelfall.

Der große Unterschied zu den ebooks ist hier natürlich, dass es keine Retails gibt wie im US-Bereich, ein 0-Day von Marvel Now und/oder DC New 52 bringt im richtigen Forum Downloads, die ein deutsches Ebook, selbst bei Dan Brown, kaum bringen kann. Im deutschen Sprachraum muss das gekauft, gescannt und editiert werden, oldschool eben, ist es ein Paperback, dann ist es danach auch Schrott, weil es komplett zerlegt werden muss....das machen nicht viele. Zudem werden die Dateien ziemlich groß, weil fast alle auf eine Breite von 2560px gehen, das ist auch für die nächsten 2-3 Jahre ausreichend, macht aber ein Album 150-300MB groß, von Gesamtausgaben red ich mal nicht, die haben gerne mal 1GB.

Comics sind eine Nische, in den letzten Jahren hat es sicher ein paar gegeben, die sich auch durch Scans welche gekauft haben, aber bei den homöopathischen Auflagen dürfte das nicht messbar sein, leider....