Samstag, 26. April 2014

Vergleich Lul.to und Boox.to


Kurze Zeit nach der Schließung von boox.to wurde ein alternatives „Angebot“ freigeschaltet – lul.to. Diese Seite bietet ebenfalls den Zugriff auf illegal kopierte Bücher an. Das etwas  modifizierte „Geschäftsmodell“ beinhaltet keine Flatrate, wie im Falle vonboox.to, sondern arbeitet nach dem Prinzip „Pay per download“, wobei die Preise hier nur Bruchteile (wenige Cents) vom Ladenpreis betragen. Im Vergleich zu boox.to stellt dieses Portal nur eine geringe Gefährdung für den legalen Ebook-Markt dar, da es die Nutzer offenbar nicht annehmen ... -> abuse-search.com

Bonik/Schaale vergleichen an dieser Stelle Boox.to und Lul.to .

Dazu sei mal eine Bemerkung gestattet. Ihr seht die obere Linie (= boox.to) bei 100k Weekly Visits auf Null fallen und die andere Linie (= Lul.to) von Null auf 50k Weekly Visits steigen.

Daraus zu folgern, dass die Nutzer das Angebot von Lul nicht annehmen, ist mehr als gewagt. Jetzt mal von den Steigerungsraten abgesehen, lasst mich mal kurz was rechnen:

Die Leute von Lul.to haben 50k Weekly Visits. Dabei haben sie eine Bounce Rate von 22%, was ein sehr guter Wert ist. Bounce Rate ist so etwa die Absprungrate (niedrig=gut). Jeder Visit hat fast 10 Page Views - auch ein sehr guter Wert. Die Besucher bleiben lang und sind interessiert.

Ich mag Lul.to wirklich nicht, aber Zahlen sind Fakten. Ich rechne mal weiter, dass mindestens jeder Visit auch zu einem Kauf führt. Bei einer dermaßen hohen Verweildauer und soviel Interesse ist das niedrig geschätzt.

So macht Lul.to also 50.000 Visits/Woche x € 0,10 = € 5.000/Woche = € 20.000/Monat. Da nicht alle Titel € 0,10 kosten (die weniger gefragten Titel stehen bei € 0,05) schätze ich den monatlichen Umsatz mal vorsichtig auf € 16.000,00.

Sie haben Kosten von geschätzt € 1.000,00. Bei dem Offshore Hoster von Lul.to war Boox.to auch, daher weiß ich, was die Server kosten. Weitere Kosten hat Lul.to nicht, da sie keine Ebooks anschaffen.

Ganz vorsichtig geschätzt komme ich also auf einen Gewinn nach Steuern (= nicht gezahlt) von € 15.000,00 pro Monat. Weihnachten (wg Weihnachtsgeld) zählt umsatzmäßig als Doppelmonat. Sind es also fast € 200.000,00 pro Jahr. Das ist - denke ich - nicht schlecht! Eine Firma, die Steuern zahlt, muss schon an die € 400.000,00 Reingewinn pro Jahr machen, um mit Lul gleichzuziehen.

Wohlgemerkt, wir reden hier von drei Leutchen in Teilzeit, von denen einer die Technik macht, die jeder gute FHler so hinbekommt. Die beiden anderen machen nichts als woanders Titel ziehen und ASINs eingeben.

Sorry, aber dieses Geschäftsmodell ist extrem erfolgreich und wird mit Sicherheit Nachahmer finden!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das Geschäftsmodell ist nur solange erfolgreich, wie sich die Anzahl der Anbieter in einem überschaubaren Rahmen hält. Den Content woanders zusammen klauen ist allerdings keine Kunst und schafft auch ein durchschnittlich begabter Teenager.
Also wird sich das Modell nicht lange als rentabel erweisen.

schkla hat gesagt…

Alles was Lul anbietet und noch viel mehr gibt es bei Lesen.to oder Ebookhell (und vielen weiteren Seiten)auch, und zwar kostenlos. Der Erfolg von Lul beruht auf der Bereitstellung
der Titel, optisch gut gemacht und problemlos per Klick herunterladbar. Ich zahle also für den Service und die Bequemlichkeit einen geringen Betrag, nicht für das Buch. Daß damit derjenige Geld verdient, der mir diese Vorteile bietet, nehme ich gerne in Kauf.

Spiegelbest hat gesagt…

@schkla

Völlig richtig, kann man absolut so sehen. Es sind ja zwei Dinge: Die Anschaffung der Ebooks und das Angebot.

Lul.to ist ein reiner Anbieter und darin sicherlich vorbildlich. Wer die Ebooks selbst hostet, kann den Nutzern ein sehr gutes Angebot machen. Und ganz offenbar sind die Nutzer bereit, sehr gut zu zahlen.

Anonym hat gesagt…

1000 Euro Kosten im Monat? Im Jahr vielleicht!

Spiegelbest hat gesagt…

@Anonym 28. April 2014 22:52

Lul.to hostet Audio- und Ebooks. Ich schätze sie bei € 600-700 Kosten/Monat. Du musst immer ordentlich Puffer haben, um durch die trafficstarken Zeiten wie den Freitag abend zu kommen. Du kannst also nicht vom Durschnitt ausgehen, sondern von den Peaks und auch da musst du Spiel für Wachstum einbauen, denn die Bestellung der Offshore-Server kann dauern.