Sonntag, 27. April 2014

Die Bücherfrau zu den ePiraten

Die Bücherfrauen haben sich mit einem sehr schönen Beitrag zu Wort gemeldet -> blog.buecherfrauen.de. Vielen Dank dem Tippgeber.

Nina George - Autorin vom überall verfügbaren 'Das Lavendelzimmer' - hat sich darin zu den verschiedenen Typen von ePiraten geäußert, nicht ohne zu klagen und ihre Verluste vor- und nachzurechnen.

Ich will mal was aus meinem Erlebnisbereich beisteuern.

Wir hatten Kontakt zu einer ähnlich bekannten Autorin, die uns ihren Titel - zwecks 'illegaler' Promotion - zur Verfügung stellen wollte. Sehr schön, wir haben vereinbart, dass ich sie ein bisschen über die Zahlen in Kenntnis setze. Die Zahl der Leser, die Zahl der bloßen Einsammler, alles geschätzt natürlich.

Nun, wir haben den Titel bekommen, ich habe die Zahlen geschätzt und seitdem nie wieder etwas von ihr gehört. Sie hat sich mit der Buchpiraterie eingelassen - war ja kribbelig, und anarcho irgendwie! - und musste feststellen, dass sie existenzbedrohend ist.

Dies beschreibt recht genau das Problem, das ich mit der augenblicklichen Debatte habe. Sie nimmt die Buchpiraterie überhaupt nicht Ernst. Sie tut so, als wäre die Buchpiraterie ein Trend, den frau aussitzen kann.

Es ist vorstellbar, dass die Onleihen vom Gesetzgeber bald neue Rechte eingeräumt bekommen. Dann können sie jedes Ebook - genau wie beim Papierbuch - kaufen und so oft verleihen, wie sie wollen.

Es ist weiterhin vorstellbar, dass privates (= nicht geschäftsmäßiges) Filesharing in Europa völlig freigestellt wird. Damit fände das Schweizer Modell europaweit Anwendung.

Kommt es dazu, wird es die Buchpiraterie als Existenzbedrohung nicht mehr geben. Die Autorinnen haben moralisch gesiegt. Sie sehen sich einer nicht zahlenden Leserschaft gegenüber, die sich völlig im Rahmen der Gesetze bewegt.

Wir gratulieren herzlich ;-)

Liebe AutorInnen, die Digitalisierung der Bücher ist mehr als eine neue Form des Ladendiebstahls. Gefühle sind nett und müssen auch sein, aber macht euch - wenn ihr die Zeit findet - auch mal ein paar Gedanken!

Kommentare:

white house war room hat gesagt…

frage an SB: sag mal, die autorin spricht in ihrem blog von "600 portalen mit 2 milliarden illegalen angeboten" ....

oehmmmm, ich habe von berufs wegen ab und an auch mit der problematik filesharing (jetzt nicht unbedingt so was harmloses wie ebooks) etc. zu tun [letzteres nur als gelegentlicher user :-)))]. aber 600 portale .... weisst du zufaellig, woher sie diese zahlen nimmt? auf welche teile der welt sie sich bezieht?

Anonym hat gesagt…

Ich vermute die Autorin verwechselt eBookportale mit Film- und Musikportalen :D oder schmeißt einfach alles in die gleiche Kiste. Vielleicht sollte man sich vor einem Bericht zuerst wirklich mit der Materie auseinandersetzen...äh...ne macht man ja heute nicht mehr, heute schlägt man nur bei Wiki nach, echte Recherchen sind altmodischund gehören zum Journalismus 1.0.

Manuel Bonik hat gesagt…

600 kommt mir auch ein wenig viel vor. Vielleicht hat sie 600 Posts von ihren Büchern gefunden?

Anonym hat gesagt…

Den Thread zu entern und auf Ihre Seite zu verschleppen, passt zwar bestens ins Bild, ist aber doch ein wenig flach, nicht wahr?

Manuel Bonik hat gesagt…

Korrektur: Sie schreibt wörtlich "600 Portale bieten zwei Milliarden illegal kopierte Kulturwerke an: Filme, Musik, eBooks." - Also nicht nur Bücher. Das könnte schon hinkommen.

white house war room hat gesagt…

@ manuel bonik um 16:53 h:

'kulturwerke' ... habe ich schon als die gesamtheit der 'uploads' vestanden, also musik, filme, buecher, zeitschriften, und mit der vokabel 'angebot' zusammengefasst. da ich kein steuergelderausgebender politiker bin ;-), kann ich die '2 milliarden' ohnehin schlecht zusammenrechnen, zumal ich die zugrunde gelegten parameter nicht kenne, also z.b. die vewendete definition einer 'entitaet'.

was mich tatsaechlich sehr verwundert sind die '600 portale'. gut, ich kenne die meisten englischsprachigen, franzoesischsprachigen, deutchsprachigen, noch einiges aus dem spanischspraachigen raum, aber dann wird's schwammig. und auch in den o.g. bereichen gibt es mit sicherheit eine unzahl derart kleiner 'closed communities', dass diese entweder wie in den anfaengen der szene nach aussen praktisch nicht praesent sind, oder sie sind so klein, dass sie sich - umgangsprachlich formuliert - im, teppich festtreten. sprich: sie sind durch ihre geringe reichweite komplett irrelevant.

Anonym hat gesagt…

Übertreibung macht sich halt gut und lässt die allgemeine Empörung höher lodern.

Insbesondere für Indis die ohnehin so gut wie niemand lesen würde, ist die Vorstellung ohne Piraten würden sie tausende von eBooks in schlechtem Deutsch und ohne Lektorat verkaufen, wohl beruhigend. Ansonsten könnten sie ja noch an ihrem Talent zweifeln. Früher waren die Verlage schuld von brave Hausfrauen nicht entdeckt wurden, heute die Piraten :)

Nucknuck hat gesagt…

@anonym über mir
Einige Indie`s sind schon recht gut.
Also bitte keine Pauschalaussagen (wobei es stimmt, das viele das verlangte Geld nicht wert sind).

Ich finde aber die Verängung der Diskussion auf den Preis und nicht die nicht Zahlungsbereitschaft doch etwas störend.
Fakt ist Ebooks lassen sich beliebig vermehren, wie Pflanzen oder sogar noch einfacher.
Niemand würde auf die Idee kommen zu verlangen das Gartenbesitzer nichtmehr untereinander Pflanzen tauschen oder auf Märkten anbieten (es gibt auch jede Menge Pflanzen mit Sortenschutz welche eigentlich nicht weitergegeben werden dürften, gemacht wird es dennoch *1 > der Aufwand eine neue Sorte zu züchten ist in den meißten Fällen erheblich höher als ein Buch zu schreiben und kann bis zu zwanzig Jahren dauern).
Sollte das doch jemand bei Endkunden probieren würde es einen Sturm der Entrüstung geben und derjenige würde analog zur Medienbranche feststellen das es unmöglich ist mit vertretbaren Aufwand dagegen vorzugehen (Herrn Boniks Störattackenansatz räume ich eigentlich noch die besten Chancen im digitalen Umfeld ein, Er ist eigentlich auch der Einzige welchen man von Seiten der "Verfolger" ernstnehmen kann was das Verständnis der Materie betrifft).
Dort ist das seit etwa einem Jahrhundert normal und gesellschaftlich anerkannt.
Die Kreativindustrie (kreativ + Industrie an sich schon ein komisches Wort) muß sich halt noch daran gewöhnen das jetzt neue Spielregeln gelten.
Die Vorteile, zum Beispiel das man sehr kostengünstig in denn Markt einsteigen kann werden ja auch sehr gerne in Anspruch genommen.
Auf die Frage warum das mit den Ebooks gemacht wird wie es gemacht wird, kann man eigentlich einfach antworten weil es halt seit einiger Zeit geht.

Für mich heißt das man muß sich halt mit den Gegebenheiten arrangieren oder es halt lassen. Aus meiner Sicht jammeren halt die Kreativen (darin sind Sie wirklich sehr kreativ) am lautesten. Wobei ich der Bücherfrau wie auch anderen in vielen Punkten recht gebe (der größte Fehler der gemacht wird ist, das man eigentlich sowohl von Seiten der Leser wie auch der Anbieter fast nur auf den Preis fixiert ist > ich jedenfalls lese Bücher nicht deshalb mehr weil sie billiger sind *2). Allerdings wie schon oft von mir geschrieben auch andere haben diese Probleme (es gibt ja auch kaum noch Schmiede oder Besenbinder, die welche aber noch vorhanden sind haben ein Auskommen).
Jeder Autor fängt aus freien Stücken an zu schreiben und zu veröffenlichen (einige sind auch recht erfolgreich) es ist halt eigenes Risiko wie überall in der freien Wirtschaft und ser speziell im Kunst- und Medienbreich (fragt doch einfach mal Schauspieler welche sich von einer Spielzeit in die nächste retten die meißten sind Freelancer und müssen schauen wo sie bleiben).
Das sich für die schreibende Zunft einiges geändert hat sieht man ja auch recht deutlich bei der Zeitungsbranche. Auflagenrückgang und Verlust der Deutungshoheit (sehr schön bei der aktuellen Krise in der Ukaraine erkennbar) sind die Zeichen der Zeit.
Man kann das Selbe aber auch positiv formulieren dann würde man von der Emanzipatzion und Selbsbestimmung des Endkunden/Nutzers reden.


*1
Meisst von hochanständigen Mittelständlern und vermutlich auch von dem einem oder anderem Autoren.

*2
Aktuell kaufe ich keine Ebooks und daran wird sich auch nichts ändern solange man diese nicht anonym und ohne DRM erwerben kann.
Papierbücher kaufe ich aber nach wie vor gerne und hat mir ein Ebook gefallen, weiß ich was ich als Geschenk in Holz oder auch für mich kaufen kann (welche nur elektronisch veröffentlichen haben Pech).

Anonym hat gesagt…

Für die verlinkte Seite

http://blog.buecherfrauen.de/epiraten-sind-auch-nur-menschen/

empfiehlt sich übrigens zwecks besserer Lesbarkeit ein Binnen-I-Entferner, z.B. Binnen-I-Be-Gone für Firefox:

https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/binnen-i-be-gone/

Dann werden aus "eBookleserInnen" wieder eBookleser. ;-)

Manuel Bonik hat gesagt…

https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/binnen-i-be-gone/

Muss immer noch lachen ...

Nucknuck hat gesagt…

Binnen I`s sind aber nicht mehr der letzte Schrei.
Aktuell _ (im Wort) oder x (ausgesprochen ix wie bei Asterix und Obelix) als Endung.
In Feffes Blog gibt es einen Link, auf ein Dokument was vollständig so geschrieben ist (sehr anstrengend denn Inhalt zu erfassen).
Mein erster Gedanke war Neusprech aus 1984 der zweite gut gemeint aber schlecht gemacht und etwas zu dogmatisch (*1) > Ergebnis unverständliche Deppensprache.

*1
Zumal eine Veränderung der Sprache rein kosmetisch ist und an realen Problemen nichts ändert, wie auch die Diskussion über mehr Frauen in Führungspositionen, vielleicht 1000 ??? und dann die Tochter vom Chef oder eine PolitikerIn von der Resterampe, das hilft den Millionen Frauen die schlechter bezahlt werden und später kaum Rente bekommen auch nichts. Sie können sich aber jetzt freuen, das sie von Frauen ausgebeutet werden.

der Lesser hat gesagt…

das hat Christa S. Lotz auf ihren Blog gesagt und ich meine die hat recht
[url=http://schreibteufelchen-christa.blogspot.de/2014/04/was-haben-die-buchpiraten-mit-schund-zu_26.html?showComment=1398595313230]Was haben die Buchpiraten mit Schund zu tun? [/url]
"Ich halte die Buchpiraten, sowohl die Betreiber der Plattformen als auch die Leser, die sich Bücher umsonst heraussaugen, für intelligent, da ihnen etwas am Lesen liegt. Am Genre-Lesen vornehmlich. Und dass sie mich nicht schädigen, hat mir gestern die Staatsanwaltschaft aus Tübingen bestätigt. Einige Autoren und ich hatten eine Aktion gestartet und die Betreiber dieser Plattform angezeigt. In einer Begründung zur Einstellung des Verfahrens führt der Staatsanwalt aus, die Ermittlungen hätten ergeben, dass diese Plattform bei Cloud Fare mit Sitz in San Francisco gehostet wird und der physikalische Standort des Servers in der Schweiz liege. Die Aufklärung des Sachverhaltes wäre mit weiteren aufwändigen Ermittlungen im Zuge der internationalen Rechtshilfe verbunden. Da den Anzeigenerstattern aber nur ein geringfügiger Schaden zugefügt worden sei, wäre das unverhältnismäßig. Deshalb sei das Verfahren einzustellen. Etwaige zivilrechtliche Ansprüche würden durch diese Entscheidung nicht berührt. Das heißt, alle Versuche, sei es durch Verlage oder Autoren, sei es Straf- oder zivilrechtlich (Schadenersatzforderungen) sind von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil das Aufspüren der Täter und die Rechtsverfahren allein schon so viel Geld kosten würden, dass man eher um die Welt reisen als diese Summen wieder hereinspielen könnte. "

Anonym hat gesagt…

@Nucknuck

Fefe hat mich erst darauf gebracht, das es sowas wie "Gender Studies" überhaupt gibt. Der Binnen-I-Wahnsinn scheint immerhin abgeflaut zu sein.

Im Grunde ist es eine Form von politischer Korrektheit.

Oder wie du schon sagtest: Kosmetik.

Anonym hat gesagt…

Das absolut Lustigste an den ganzen Diskussionen um robbercopies ist für mich immer der folgende Aspekt. Es funktioniert, und die Gefahr, dabei überhaupt nur wahrgenommen zu werden, ist verschwinden gering. Also eigentlich steht das Kaufhaus offen, keiner weit und breit zu sehen, auch in 12 Tagen oder 12 Monaten nicht. Was macht der Mensch? Interessante soziologische Frage? Jawohl, er jagt und sammelt.

So, nun mal an die ganzen Geschädigten, ich sehe das ein, das ein Schaden entstanden sein könnte bzw. entsteht. Wie hoch ist dieser? Laßt alle Spekulationen und "Beweisführungen" fahren, alles lächerlich. Der Schaden ist nicht nachweisbar. Eure Zahlenspielereien sind nette Buchhaltertricksereien, aber beweisen in keinem mir bekannten Fall, daß durch das Herunterladen von was auch immer ein Schaden entstanden ist. Es ist FIKTION und nichts weiter und rechtsstaatlich äußerst bedenklich.

Da das Problem aber sicher forbesteht, solange das Netz besteht und dank ARPANET und ausfallsicherer Kommunikation immer Wege da sind, schlage ich den Geschädigten vor, sich bei der US-Army, beim DOD, bei INTEL, TELCOs, bei CISCO etc. pp. zu beschweren, bzw. den durch die Einrichtung des Internets entstandenen Folgeschaden als Produkthaftung geltend zu machen. Immerhin haben diese nicht abschließend aufgezählten Firmen ihre Billionen damit verdient, diese Infrastruktur in dieser (noch relativ) anarchischen Struktur zu errichten und zu betreiben.

Und laßt uns gefälligst reingehen, wenn alles offen steht. Wenns Euch nicht behagt, dann legt halt nichts rein ins K(l)aufhaus.

Anonym hat gesagt…

Ob es den Autoren nun wirklich schadet, ob es einen Unterschied macht hin oder her: STÖRT es Sie nicht, dass das Geld an Leute fließt, die Piratenseiten beitreiben statt an die Leute, die wirklich an dem Produkt gearbeitet haben?

Wenn schlechte Autoren so oder so nichts verdienen würden, dann sollen sie eben nichts verdienen (Vielleicht würde das sogar die dürftige Qualität von Indie-Büchern heben). Aber dann soll es auch kein anderer tun.

Was ist denn das überhaupt für ein Argumentationsansatz?
"Ich würde es nicht kaufen, aber so habe ich es gelesen. Ist doch besser, als wenn ich es gar nicht gelesen hätte."
Nein. Egal an welches Produkt ich denke, was meinem Geist oder meinen Händen entspringt, wenn es nicht wertgeschätzt wird, warum sollten es dann andere benutzen und konsumieren dürfen? Nur aus dem Grund, weil ich mich freiwillig bereit erklärt habe es zu erschaffen?

Piraterie ist doch kein purer Akt der Nächstenliebe. Und nur weil die Umstände es zulassen, muss man sich doch nicht automatisch damit arrangieren. Wenn die Arbeit, die Sie verrichten eines Tages von ihnen losgelöst genutzt wird ohne ihres Wissens oder dass Sie einen Benefit davon hätten, dann glaube ich einfach nicht, dass es Sie kalt lassen würde, auch wenn die Arbeit, die Ihnen vielleicht sogar Spaß macht, irgendwo, irgendwann ihren Nutzen erfüllt hat.

Natürlich kann man ein Buch ausleihen und ein EBook nicht. Aber es ist ja nicht so, als könnte man Filme, Musik oder Bücher nicht mehr in anderen Formen als der digitalen erstehen. Das eine kann man ausleihen, das andere spart Platz. Ein Für und Wider und es steht einem frei sich zu entscheiden. Und wenn man UNBEDINGT will, dass der beste Kumpel das eine geile buch liest, dann ist es vielleicht auch nicht der größte Akt der Welt mal den EBook-Reader samt buch zu verleihen. Das sind doch alles nur billige Ausreden, um das Gewissen zu beruhigen. Ich nehme mich da grundsätzlich nicht aus, ich habe selbst schon so argumentiert. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir selber bin, ist es nicht rechtens.