Dienstag, 8. April 2014

Akif Pirincci von Sinnen?

Ist ja mal ganz interessant, was in Büchern drin steht, von denen alle reden. Ich hab den Eindruck, die wenigsten haben überhaupt die Artikel über dieses Buch gelesen. Es bleibt einfach keine Zeit zwischen der Pressemitteilung und dem ersten Tweet!

Also ich gestehe, ich habe es gelesen und stelle fest: Der Mann hat Humor, das Buch ist witzig und lesenswert! Es ist kein 'Mein Kampf', sondern eine Polemik, ein Klamauk. Wenn Pirincci etwas ist, dann ein begnadeteter Troll, ein Brandtstifter jedenfalls ist er nicht.

Es ist ohne Nachweis, ein Spaziergang im Eifeler Nebel, aber ich hatte das Gefühl, dass wir hier einem Autor aufsitzen ...

... der sich gesagt hat: 'Was Sarrazin kann, mach ich besser!' Sarrazin provoziert die Gutmenschenschickeria. Und schon ist er in aller Munde und hat die Herzen der Deutschen gewonnen. 'Soll ein Autor dieses Metier nicht besser beherrschen als ein Bundesbanker!?', wird sich Pirincci gefragt haben.

Mich hat interessiert, wie ein Buch zu schreiben ist, dass aus Unsagbarkeiten besteht. So etwas kann nicht funktionieren! Sarazzin ist ein Faktenheber. Aber Pirincci ist ein Autor, der mit Statistiken und Forschungen nichts strecken kann. Was also macht er, damit sein Buch funktioniert?

Der Aufbau des Buches ist einfach: Jedes Kapitel hat einen Titel wie ein Enterhaken! 'Der Islam gehört zu Deutschland wie die Reeperbahn nach Mekka' - so fangen alle Kapitel an. Dann folgen einige gürteltiefe Behauptungen. Eigentlich Zeit, das Buch zur Seite zu legen. Aber genau dann wird Pirincci ulkig, anekdotisch, geradezu clownesk. Er übertreibt, erzählt, floskelt, flunkert - ganz offen, wortverdreht und - so empfinde ich es - geradeheraus unernst.

Den Schalk jedenfalls, den ihr in seinen Augen seht, den lest ihr nicht minder aus seinem Buch heraus!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

so kann man das Buch auch sehen. ich habe es nach wenigen Zeilen beiseite gelegt oder besser die Datei wieder gelöscht :-)

Anonym hat gesagt…

>>Also ich gestehe, ich habe es gelesen und stelle fest: Der Mann hat Humor, das Buch ist witzig und lesenswert! Es ist kein 'Mein Kampf', sondern eine Polemik, ein Klamauk. Wenn Pirincci etwas ist, dann ein begnadeteter Troll, ein Brandtstifter jedenfalls ist er nicht.<<

Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe das Buch seit gestern und bin seitdem am Lesen. Manches mit Unbehagen - klar. Manchmal frage ich mich: Hmm - hätte man das nicht anders... weniger polemisch, weniger "unflätig" sagen können? Aber das verbuche ich unter "dichterischer Freiheit".
Vieles, sehr Vieles ist stimmig - und das in allen Kapiteln (wobei ich das letzte noch lesen muss), also in allen Themenbereichen, die Pirinçci anspricht.
Die zornige Kraft seiner Sprache - Hut ab!
Was mich wirklich schockt, ist nicht das Buch, sind nicht Pirinçcis Aussaagen, sondern eben genau das, was er anprangert: die Reaktion des stationären Buchhandels. Ich möchte nicht vorgeschrieben bekommen, was ich zu lesen habe. Ich muss auch nicht an die Hand genommen werden, um mir beibringen zu lassen, was richtig und was falsch ist.
Dazu kommt die Reaktion der Medien - allen voran das ZDF, das - wie Pirinçci in seinem Blog selbst schreibt - in vorauseilendem Gehorsam sicherheitshalber ein 15-Minuten-Interview nach nur knapp 9 Minuten abbrechen lässt, weil die Meinung des Autors und vielleicht auch seine Wortwahl nicht als "passend" erachtet werden. Da hätte man dann vielleicht besser einen Interviewer haben sollen, der hart nachfragt?
Über die Öffentlich-Rechtlichen schreibt er ja ebenfalls ein ganzes Kapitel... und jetzigen Reaktionen bestätigen genau seine Aussagen.
Schade, dass wir in Deutschland soweit sind, dass andere Meinungen "von Staats wegen" unterdrückt bzw. nicht gesendet werden. 1984 lässt nicht nur grüßen, sondern 1984 haben wir schon lange überholt.

der Lesser hat gesagt…

Ich werde es am WE auch einmal lesen ihr habt mich neugierig gemacht