Montag, 28. April 2014

UNBOUND - Crowdfunding für Autoren

Peter hat mich angemailt:

Kennste schon? unbound.co.uk


Kannte ich in der Tat noch nicht. Von euch einer? Auch nicht!? Ich hatte es bei -> buchreport.de jedenfalls völlig übersehen.

Die Idee ist einfach: Crowdfunding für Autoren! Der Youtube-Clip macht euch Punkt für Punkt mit dem Projekt bekannt (Kein Gedudel und keine visionär blickenden Friseure - versprochen!)

Die Grundidee ist ja schon länger im Umlauf: Wenn die Leser für das Lesen nichts mehr zahlen wollen, dann muss der Autor vor der Veröffentlichung sein Geld bekommen haben, denn danach gibt's nur schöne Worte, nicht's zum Reinbeißen also.

Es macht Sinn, das Crowdfunding für Autoren abzusondern. Mich hat immer gestört, dass Crowdfunding einem Trödel gleicht: Vom Kindergeburtstag bis zur Scheidungsklage wird nichts ausgelassen!

Das Problem ist, dass die Spender eine Anerkennung bekommen müssen, zumindest ein DankeSchön. Bei uns bekommen sie das Archiv und jeden Abend eine PN mit den Einkäufen. Irgendetwas müssen wir ihnen bieten. Bei UNBOUND bekommen sie  den persönlichen Kontakt zum Autor. [Das ist in unserem Forum aus gutem Grund nicht möglich, sag ich mal. Eine Begegnung mit 'Spiegelbest' - da gäbe es schon Interessenten!]

Zuerst einmal bekommen sie Exemplare des Buches. Die Leser kaufen es also ... bevor es geschrieben wurde. Aber kaufen sie ein Buch nicht immer - egal, ob geschrieben oder ungeschrieben - bevor sie es gelesen haben!? Für den Leser macht es also keinen Unterschied. Der Leser geht immer das Risiko ein, dass der Autor nicht liefert. Dieses Risiko hat er bei Adler-Olsen - Moerk 10 - Vertröstung nicht weniger.

Das Konzept ist pfiffig und kommt auf eine sehr englische Weise direkt zur Sache: Ihr kriegt etwas, wenn der Autor was kriegt. Am Ende seid ihr - Leser und Autor - auf beiden Seiten des Buches happy und vor Staunen stumm. ['Runde Tische' gibt es in England nicht ... eeh, rund sind sie schon, aber nicht im Endlosschleifensinn!]

Ob das Konzept in Deutschland funktionieren kann? Nun, es hat mächtige Gegner.

Die Verlage sind völlig außen vor. Über die Auswahl des Stoffes entscheiden ab sofort die Leser. Das Funding geht umweglos an Autoren und Dienstleister. Die Verlage sind eine leere Hülle.

Die großen 'Buch'ketten können ein solches Konzept, denke ich, nicht integrieren. In Zeiten, wo WELTBILD Grillgeräte anbietet (um nur ein Beispiel zu nennen!), heißt das augenblickliche Konzept 'Amazon-vor-Ort'. Ob es ein Danach gibt, ist mehr als unsicher, hat sich doch schon das Jetzt halbiert.

Für den Inhaber-Buchhandel sehe ich aber ein großes Potential. UNBOUND beruht auf Leser-treffen-Autor. Da sind viele Formen vorstellbar. Es könnte eine Kneipentour sein ... € 200,00 für die 'Wir saufen unseren Autor unter den Tisch'-Tour. Aber auch eine virtuelle Begegnung: 'Mein Kaffeebauer trifft meinen Buchautor'. Also was Integratives ohne Alkohol.

Sehr interessant finde ich, wie UNBOUND das Ebook einsetzt. Wir als Leser können dem Autor über die Schulter blicken, während sein Werk entsteht. Eine Idee, die genauso alt wie ungefüllt ist.

Tja, das Leben kann so einfach sein ...

Kommentare:

BetterLetter hat gesagt…

Hätte auf jedenfall was für sich denn wenn wir mal ehrlich sind bzw. die Entwicklung es Ebook-Marktes worst-case betrachten, können Modelle wie ebookspender die existenziellen Bedürfnisse der Autoren nicht auf lange Sicht befriedigen - zumal dies ja auch nicht in ihrer Natur lag und liegt. Daher wäre ein fester Konsumentenkreis der schon im Vorfeld gewonnen wird überaus sinnvoll und wird - sofern sich dieses Prinzip durchsetzen sollte - auch dafür verantwortlich sein das Angebote wie das von Spiegelbest in seiner Vielfalt bestehen bleiben können. Andererseits, wenn es einen Kreis an Lesern gibt, die - wenn sie im Vorfeld für ein Werk bezahlen - auch über den Plot bestimmen können, dann lesen nach interessenslage bald zum Nadelsuchen im Heuhaufen. Denn vielleicht deckt der Autor dann das Bedürfnis seiner zahlenden Kraut, aber eben nur von diesen 10-20 Lesern, welche in per Vorkasse pushen. Doch wobleibt denn die massenkompatibilität von bücher? Nicht das ich auf so eine Art Buch stehe, nein vielmehr mache ich mir hier Gedanken um die vom Autor vergebene Chance, von seinem Buch auch Leben zu können. Denn was nützen20 verkaufte Exemplare, wenn man seine Miete seinen essen etc zahlen muss

Anonym hat gesagt…

Deswegen jammern ja die Indi Autoren an vorderster Front über die Piraten. Nur würden diese auch mit Crowdfundig nicht glücklich werden und ihre Miete nicht bezahlen können. Das Argument, dann würden sich die Autoren Lektoren leisten würde ich auch bei Crowdfundig nicht glauben.

Geld verdienen mit Texten funktioniert nun mal nicht wirklich via Medium Buch. Es sei den man gehört zu den Bestsellerautoren und da tummeln sich wenige Deutsche Autoren.

Mit dem Medium Text kann man sehr gut verdienen, aber deutlich anders als via Büchermarkt. Viele dieser jammernden Autoren haben einfach unbesehen Amazon geglaubt, frei nach Woody "jeder kann 15 Minuten ein Buch verkaufen" :)

Susanne hat gesagt…

Ah, ich denke, gerade Bücher außerhalb des Massenhorizonts bekämen so eine reelle Chance. Seht es doch so: Verlage, die auch Honorar zahlen, verlegen am liebsten Schnelldreher ... Thriller, ChickLit, Vampirzeug, Erotik, all that jazz.
Indies, die Geld damit verdienen wollen, kleben genauso am Genre - denn alles andere verkauft sich nur sehr mau.
Aber über so einen Subskriptionsweg (bei Büchern ja gerade keine neue Erfindung, sondern ein GANZ alter Hut) können auch anspruchsvollere oder weniger populäre Projekte finanziert werden. Man braucht ja keine zehntausend oder hunderttausend Leser, um als Autor leben zu können. Diese Masse benötigen nur die Verlagsautoren, weil da noch ein Rattenschwanz an Verteilern und Herstellern sehr viel besser als die armen Autoren am Ende der Nahrungskette mitverdienen wollen.

Hilde Baumgartner hat gesagt…

Ich finde die Thematik "Crowdfunding" sehr interessant und würde gerne mehr dazu erfahren. Kennt wer weitere spezielle informative Webseiten? Lg